Kommunikationsmodelle

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Inhaltsverzeichnis

Statische Kommunikationsmodelle

Klassisches Kommunikationsmodell (nach Shannon / Weaver)

A -> B

Hierbei handelt es sich um den einfachen Transport von Informationen (Sprache, Mimik, Gestik, Flaggensignale, etc.) von Person A über einen Übertragungskanal zu Person B. Dabei können Störungen auftreten: zu laut, Partner hat kein Interesse an der Kommunikation oder spricht nicht die gleiche Sprache, etc.
Wohlgemerkt wird bei Shannon und Weaver der Kommunikationsprozess auf einen technischen Übertragungsvorgang reduziert. Sie sprechen nicht von Personen, sondern lediglich von Sender und Empfänger. Ebenso wird die zu vermittelnde Information nur als rein mathematische Größe betrachtet, die als "mittlere Auftrittswahrscheinlichkeit von Zeichen" definiert wird. Dadurch erreichen sie einen Ausschluss des Aspektes "Bedeutung" für ihr Modell.

Sender -> Enkodierung -> Dekodierung -> Empfänger
(wohlgemerkt betont Bourdieu, dass ohne eine Dekodierung durch einen Empfänger "keine kommunikative Einheit, also Mitteilung" entsteht, da sich die Bedeutung des Kommunizierten immer erst aus der individuellen Interpretation des Empfängers ergibt)

Baduras Kommunikationsmodell

ist weiter entwickelt und geht auch ein auf die:

  • syntaktische Decodierung - Zusammensetzung der Zeichen nach formalen Regeln

Beispiel: "Bei einer Verkehrsampel besteht die Syntax aus den möglichen Zuständen: rot, orange, grün, grün blinkend, orange blinkend, rot-orange und aus den Regeln, wie sie aufeinander folgen."

  • semantische Decodierung - Beziehung zwischen den Zeichen

Beispiel: "Bei der Ampel sind dies also "fahren" bei grün und "stehen bleiben" bei rot. "

  • pragmatische Decodierung - Wirkungsweise in der jeweiligen Situation

Beispiel: "Wenn ein Auto jetzt wirklich bei einer roten Ampel stehen bleibt, dann hat die pragmatische Kommunikationsebene und damit der Kommunikationsvorgang funktioniert."

zusätzliche Faktoren: bestehen aus Faktoren, die sich aus den sozialen Kontexten des Senders und Empfängers ergeben, wie z.B. die Situation, Informationsniveau (was weiß ich über den Gegenüber), emotiver Erlebnishorizont, Interessen, (soziale Randbedingungen)
Interessefreie Kommunikation gibt es nicht!

Dimensionen sprachlicher Zeichen (nach Charles W. Morris)

Bild:DimensionenSprachlicherZeichen-Morris.jpg

Harold D. Lasswell

Harold D. Lasswell entwickelte eine Formel um Kommunikation zu beschreiben: die sog. Lasswell-Formel. Sie basiert auf dem behavioristischen Stimulus-Response-Modell (Reiz-Reaktion): Die Funktion von Massenmedien ist also durch bestimmte Stimuli, bestimmte Reaktionen hervorzurufen und dabei Stimuli, die ungewollte Reaktionen herbeirufen könnten, zu vermeiden (vgl. Schützeichel 2004: 26). Sie wird primär für die Untersuchung von Massenmedien (z.B. Werbung, politische Propaganda) benutzt. Beantwortung folgender Fragen führt zu Beschreibung eines Kommunikationsaktes:

Who - Says What - In Which Channel - To Whom - With What Effect?

Fehlender Faktor: Wie?

Gerade das "Wie?" ist von Relevanz, wenn das kommunizierende Subjekt unter Medienbeobachtung steht, weil durch die Medienbeobachtung jede kleinste Spielart der Mimik und Gestik sichtbar wird.
Beispiel: Gerhard Schröder in der "Elefantenrunde"

Kritik an diesen Modellen

Nach all diesen Modellen besteht ein Kommunikationsakt also aus 7 Faktoren:

  1. die Informationsquelle/der Sender
  2. die Verschlüsselung/die Enkodierung
  3. die Nachricht/die Information
  4. den Kanal/das Übertragungsmedium
  5. die Entschlüsselung/die Dekodierung
  6. den Empfänger
  7. einem (zumindest teilweise) gemeinsamen Code

fehlende Faktoren

  • Sinnhaftigkeit des Prozesses

Kommunikation ist immer ein sinnhafter Prozess, dazu gehört das Sinnverstehen (aktive Rekonstruktion/Interpretation), welches notwendig ist auf beiden Seiten (Sender/Empfänger). Sinnverstehen beim Empfänger bedeutet aktive Interpretation.

  • Codes sind niemals völlig identisch, stattdessen gibt es nur teilweise Überschneidungen ohne die eine Kommunikation unmöglich wäre
  • Bei Kommunikationsprozessen handelt es sich um non-lineare Prozesse. Sie sind non-linear, da in ihnen Rückkopplungen/feedback vorkommt. Paul Watzlawick gehört zu den ersten, die dies aufzeigten. Er machte auf eine Reihe von Komplikationen aufmerksam. So nimmt man nicht nur Reaktionen des anderen wahr, sondern auch seine eigenen. Diese wahrgenommenen Reaktionen beinflussen maßgeblich den weiteren Verlauf des Kommunikationsprozesses.

Beispiel: Flirten in der Bar. Lächelt die Person, die ich gerade versuche anzubaggern, werde ich sicherlich weiterflirten, dreht sie sich allerdings weg und mir den Rücken zu, werde ich wohl verzichten zu versuchen weiter zu flirten.

In diesem Beispiel reagiert also die andere Person und informiert mich mit ihrem feedback über ihre Einstellung zur Kommunikation.

Beispiel: Ich starte einen Flirtversuch und laufe dabei rot an. Da ich das merke, fange ich aus Peinlichkeit an zu stottern.

In diesem Beispiel reagiere ich also selbst auf eine Rückkopplung, die von mir selbst ausgesendet wurde und verändere dadurch den Kommunikationsprozeß.

Kommunikation ist also ein interaktiver Prozess!

dynamische Kommunikationsmodelle

Paul Watzlawick

Von Watzlawick stammt der Satz: "Man kann nicht nicht kommunizieren."

Damit ist gemeint, dass auch keine Reaktion eine Reaktion auf ein Kommunikationsangebot darstellt und etwas aussagt. Aber diese Aussage geht noch weiter, so ist auch kein Kommunikationsbeginn Kommunikation. Das ganze kann man gut vergleichen mit "handeln". Von handeln gibt es nun mal kein Gegenteil und genauso wenig wie man nicht nicht-handeln kann, genauso wenig kann man nicht nicht-kommunizieren.

Desweiteren führt Watzlawick aus, dass jede menschliche Kommunikation immer einen Inhaltsaspekt (Sachebene) und einen Beziehungsaspekt (soziale Ebene) hat, die in jeder Kommunikation unterschiedlich stark gewichtet sind. Somit ist eine Kommunikationsanalyse ohne auch den sozialen Kontext/die soziale Ebene zu betrachten, nur schwer möglich.

Beispiel: Ich stehe an der Bushaltestelle und langweile mich. Um die Langweile zu überbrücken beginne ich mit einer anderen wartenden Person einen Dialog über das Wetter. Der Inhaltsaspekt bzw. die Sachebene sind also die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Anzahl von Wolken am Himmel, etc. Der Beziehungsaspekt bzw. die soziale Ebene ist hierbei ein Gespräch mit einer fremden Person aufzubauen.

Gregory Bateson

Gregory Bateson stellte fest, jede Kommunikation auch Meta-Kommunikation beinhaltet. Unter Meta-Kommunikation versteht er "die Fähigkeit, über Kommunikation zu kommunizieren und die Bedeutung der eigenen Handlungen und der Handlungen zu anderen zu kommentieren" (Bateson, Gregory u.a. (1956): Toward a theory of schizophrenia. In: Behavioral Science 1, S. 251 - 262). Er sagt, dass Kommunikation auf die sie begleitende Meta-Kommunikation angewiesen ist, um den Erfolg oder Misserfolg von kommunikativen Handlungen festzustellen. Wenn non-verbale Gesten verbale Gesten nicht unterstützen, sondern konterkarieren, sieht er Anlass für Meta-Kommunikation.

Meta-Kommunikation ist Kommunikation über Kommunikation.

Beispiel: "Du verstehst nicht, was ich gerade gesagt habe."

'semiotische' Kommunikationsmodelle

Wilhelm von Humboldt

  • menschliche Sprachfähigkeit wird von jedem Menschen besessen und daher von ihm als anthropologische Konstante der Gattung Mensch bezeichnet
  • jeder Mensch hat eine Muttersprache (Deutsch, Russisch, etc.)
  • jede konkrete Sprache realisiert sich erst in Sprechakten der Menschen, die diese Sprache sprechen

Humboldt sieht Sprache als Zusammenspiel an:

  • Sprache als Werk (Institution)= ergon & Sprache als Tätigkeit = energeia

Sprache kann sich durch Benutzung verändern und somit die Institution beeinflussen. Unter Institution werden hier die vorgegebenen Rahmenbedingungen, wie z.B. das Sprachsystem, aber auch regionale Dialekte, oder die soziale Beziehung (Professor - Student), verstanden. Man erlernt die Regeln der Institution durch Sozialisierung.

Sprache ist aber auch abhängig vom Individuum und seiner individuellen Prägung und der Institution und ihrer historischen Prägung, folglich ist jeder einzelne Begriff eine Mischung von individuellem und allgemeinem.

Er bezeichnet die Sprache als Zwischenwerk zwischen den Menschen und der Realität. Realität bzw. Orientierung in dieser ist nur zugänglich durch Benennung und Austausch über Dinge. Wie wir bestimmte Dinge wahrnehmen, hängt also entscheidend ab von der Sprache, der wir uns bedienen.

Sprache vermittelt also Weltbilder und Denkgewohnheiten.

"Denn das Verstehen ist kein Zusammentreffen der Vorstellungsweisen in einem unteilbaren Punkt, sondern ein Zusammentreffen von Gedankensphären, von welchen der allgemeine Teil sich deckt, der individuelle überragt. Dadurch wird das geistige Fortschreiten des Menschengeschlechts möglich, indem jede gewonnene Erweiterung des Denkens in den Besitz anderer übergehen kann, ohne in ihnen der Freiheit Fesseln anzulegen, welche zur Aneignung und zu neuer Erweiterung notwendig ist"
[http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_von_Humboldt#Begr.C3.BCnder_der_vergleichenden_Sprachforschung_und_.E2.80.93wissenschaft]

Die konsequente Schlussfolgerung daraus, dass jeder einzelne Begriff eine Mischung von individuellem und allgemeinem ist, lautet: Jedes Verstehen ist zugleich auch Missverstehen, d.h. es gibt immer eine Diskrepanz im Verstehen, da der individuelle Faktor eben individuell ist.

Ferdinand de Saussure

De Saussure versteht Sprache als ein Geflecht von Zeichen, welche miteinander in Beziehung stehen. Dieses Geflecht bzw. die Regeln des Geflechts sind den Menschen vorgegeben (also wie die bereits erwähnte Institution). Einzelne Zeichen verweisen nicht auf konkrete Dinge, sondern setzen sich zusammen aus Vorstellung und Lautbild. Beziehung zwischen Vorstellung und Lautbild ist meist beliebig. Nur durch Konventionen gefestigt.

Zeichen = Signifikant/Lautbild/Ausdrucksseite und Signifikat/Vorstellung/Inhaltsseite/Bedeutungsumfang

siehe hierzu auch Zeichen.

Charles S. Peirce

Peirce rückt die konkrete Verwendungsart von Zeichen in den Vordergrund. Er sagt, dass sich die Bedeutung von Zeichen im konkreten Kommunikationsakt klärt.

Semiotik bei Peirce

Zeichen stellen eine triadische Relation dar:

  • Repräsentamen (Zeichen im engeren Sinne; z.B. ein Wort, Symbol)
  • Objekt (bezeichnete Sache, das wofür das Repräsentamen steht)
  • Interpretant (Bedeutung des Zeichens: das was wir verstehen, wenn wir das Zeichen interpretieren; besteht wiederum aus Zeichen)
Semiose

Als Semiose bezeichnet er den unendlichen Prozess der Interpretationen von Zeichen durch Zeichen, so kommt es auch zur Weiterentwicklung von Sprache

Der soziale Charakter von Kommunikation kann nur im Raum von sozialen Institutionen (vorgegebene Zeichensysteme) stattfinden. Eine Kommunikation ausserhalb dieses Raums kann nicht stattfinden.

Prozess des sozialen Handelns: individuelle Akteure handeln individuelle Kommunikations-Akte aus.

Karl Bühler: Organon-Modell

Bild:OrganonModell-Bühler.jpg

"1. Das Zeichen ist SYMBOL für Gegenstände und Sachverhalte. Es geht also um die DARSTELLUNGSFUNKTION und um die Beziehung zwischen Zeichen und Objekt. Hierbei geht es um die reine Information, die der Sender mitteilen will. (zb in Sachttexten, Anleitungen, etc)
2. Das Zeichen sagt auch etwas über den Sender aus, Bühler spricht von der AUSDRUCKSFUNKTION, in der es um die Beziehung zwischen Zeichen und Sender geht. Das Zeichen ist ein SYMPTOM für den Sprecher (Kundgabe), hierbei soll ein Gefühl oder eine Meinung vermittelt werden.
3. Das Zeichen richtet sich aber auch an den Empfänger, es geht demnach um die APPELLFUNKTION, wo das Zeichen als SIGNAL (Auslösung) wirkt. Es soll den Empfänger zu etwas auffordern, diese Funktion haben auch zb Warnrufe im Tierreich. Die ersten kindlichen Laute gehören ebenfalls zu den appellativen, wenn ein Baby zb schreit, um gefüttert zu werden."
[http://de.wikipedia.org/wiki/Organon-Modell">Organon-Modell - Wikipedia]
  • auch anwendbar auf Texte, denn z.B. Gedichte haben auch diese drei Dimensionen

Quellen

  • persönliche Mitschrift aus der Vorlesung "Einführung in die Medien- und Kommunikationstheorie" im WS05/06 an der Universität Marburg bei Herrn Prof. Dr. Dörner
  • (werner.stangl)s arbeitsblätter
  • Hickethier, Knut: Einführung in die Medienwissenschaft, Metzler 2003
  • Schützeichel, Rainer: Soziologische Kommunikationstheorien, UVK Verlagsgesellschaft mbH 2004
Persönliche Werkzeuge